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2022-12-02 18:07:07 By : Mr. Eric Li

Opel wird nicht der erste Anbieter, der einen elektrischen Kombi im Sortiment hat. Doch der Astra-e hat gute Chancen, Kunden abzuholen, die kein E-SUV wollen.

(This article is also available in english)

Es hat dann doch etwas gedauert, bis Opel nachziehen durfte: Schon im September stellte Stellantis den batterieelektrischen Peugeot e-308 vor, nun folgt der Opel Astra-e auf der gleichen Basis. Opel-Kunden müssen sich allerdings nicht grämen, denn die Händlerpremiere, die vermutlich irgendwann im Frühsommer 2023 stattfinden wird, dürfte kaum wesentlich später folgen. Der riesige Stellantis-Konzern bedient mit beiden die in Westeuropa oft gestellt Forderung, doch bitte einen Kombi mit Elektroantrieb auf den Markt zu bringen. Den gibt es zwar schon seit einiger Zeit von MG, mit Peugeot und Opel folgen allerdings Marken, die hier über ein dichtes Händlernetz besser verankert sind.

Die technischen Daten sind – wenig überraschend – im Astra-e identisch mit dem e-308. Die Lithium-Ionen-Batterie mit 17 Modulen und 102 Zellen bietet 54 kWh brutto, von denen sich netto um die 50 kWh nutzen lassen sollten. Opel verspricht im WLTP eine Reichweite von 416 km und einen Verbrauch von 12,7 kWh/100 km. Zur Erinnerung: Die Ermittlung der Reichweite im WLTP lässt sich nicht über einen Dreisatz mit Verbrauch und Energiegehalt der Batterie bilden – warum, haben wir in diesem Artikel näher beleuchtet.

Opel hat die Angabe des Verbrauchs im WLTP nach oben korrigiert: 14,9 kWh/100 km sollen es im Zyklus sein.

Mit dieser Verbrauchsangabe liegt der Astra-e deutlich unter dem, was Opel für den kleineren Corsa-e im Zyklus verspricht. Möglich machen soll das unter anderem ein neuer Elektromotor, der mit 115 kW und 270 Nm etwas kräftiger als im Kleinwagen ist. Er soll zudem erheblich effizienter sein, was in dieser Größenordnung erstaunlich wäre. Nicht vergessen werden darf in dieser Rechnung, dass in der WLTP-Angabe die Ladeverluste enthalten sind. Gut möglich also, dass ein Teil der geringeren Verbrauchswerte auf das Konto von reduzierten Ladeverlusten geht.

Auch im Astra-e gibt es die drei Fahrmodi Eco, Normal und Sport. Im Corsa-e schalten sie 60, 80 oder 100 kW frei, im Astra-e wird es diese Leistungsbeschneidung unterhalb der "Sport"-Einstellung mit 115 kW vermutlich auch geben. Wie viel in den anderen Modi zur Verfügung stehen, verrät Opel noch nicht. Wer auf die Werte des Corsa-e 10 bis 15 kW draufschlägt, wird der Wahrheit wahrscheinlich recht nahekommen.

Mit 170 km/h ist der Astra-e in der Spitze etwas schneller als einige der direkten Konkurrenten, darunter auch als der VW ID.3 – für die meisten Kunden dürfte das unerheblich sein. Sie werden vielmehr bedauern, dass es bei Stellantis auch gegen Aufpreis weder eine größere Batterie noch eine höhere Ladeleistung gibt. Ein dreiphasiges AC-Ladegerät mit 11 kW ist serienmäßig, an DC sind maximal 100 kW drin – kein Fortschritt gegenüber der bisherigen Plattform also. Auch davon, die Traktionsbatterie extern anzapfen zu können, ist keine Rede - weder für externe Elektrogeräte noch für bidirektionales Laden.

Mit gewissen Einschränkungen muss ein Astra-Fahrer, der Strom als Fahrenergie nutzen will, beim Kofferraumvolumen leben. Im Kombi sind die Einbußen bei Plug-in-Hybrid und Elektroantrieb identisch. Deshalb gehen wir davon aus, dass der Gepäckraum auch im Fünftürer im gleichen Maße geringer wird. Opel macht dazu allerdings noch keine Angaben. Sollten wir richtig vermuten, ergeben sich folgende Werte:

Bestellt werden kann der Astra-e ab dem Frühjahr 2023, mit einer Händlerpremiere ist ab Juni zu rechnen. Noch gibt es weder von Peugeot noch von Opel auch nur eine grobe Orientierung, wohin die Reise der Preise gehen könnte. In beiden Modellen sind die Plug-in-Hybride nur in teuren Ausstattungslinien zu haben. Behält Opel diese Politik bei, ist mit einem Preis von unter 40.000 Euro für das Basismodell des Astra-e eher nicht zu rechnen. Wahrscheinlicher ist aber, dass es weniger umfangreich ausgestattete Einstiegsmodelle geben wird. Schließlich kann ein Volumenhersteller auf Dauer nicht nur seine solventesten Kunden bedienen, wenn er hohe Stückzahlen erreichen will.

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